Paulus bittet für seine Feinde

auszugsweise aus Teil 3 aus der Reihe „Hindernisse überwinden“


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Comments

  • Jule sagt:

    Das dritte Gebet finden wir in 2. Timotheus 4:16. Da schreibt Paulus: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich; es werde ihnen nicht zugerechnet.“

    Alle drei Gebete sind sehr ähnlich. Und ich finde, es sind drei der größten Gebete der Bibel. Wir werden sie nacheinander anschauen. Wir fangen bei dem letzten an, das ich gelesen habe.

    Als Paulus das an Timotheus schreibt, ist er schon ein alter Mann. Im gleichen Kapitel schreibt er: „Ich habe mein Rennen beendet. Ich habe den guten Kampf gekämpft und meinen Glauben behalten.
    Mein Leben ist bereit, ausgegossen zu werden wie ein Trankopfer.“ Paulus wusste, dass er nicht mehr lange leben würde. Er ist alt und erzählt Timotheus, seinem Sohn im Glauben, ein paar Dinge aus seinem Leben. In Vers 16 schreibt er: „Bei meiner ersten Verteidigung, als ich zum ersten Mal in Rom war und mich verteidigen musste, da stand mir niemand bei. Alle verließen mich.“ Das bedeutet „sie haben mich allein gelassen“. „Möge es ihnen nicht zugerechnet werden.“ Damit meint er: „Möge Gott es ihnen nicht anrechnen, möge Gott es ihnen nicht als Schuld anrechnen.“ Und das war nicht nur ein freundlicher Wunsch von Paulus. Er wiederholt hier ein Gebet, das er in seinem Herzen zu Gott gebetet hatte. Als er vor der römischen Obrigkeit stand und sein Leben verteidigen musste, stand ihm niemand bei. Alle hatten ihn verlassen. Er war ganz allein. Paulus spricht hier von anderen Christen.
    Für die einen hatte er sein Leben gewagt und viel erlitten, um ihnen das Evangelium zu bringen. Und die anderen waren seine Mitarbeiter. Sie alle hatten ihn in dieser Notsituation im Stich gelassen.

    Merken Sie sich diese Stelle. Vielleicht kommen wir darauf zurück, vielleicht auch nicht. Schlagen Sie mit mir Apostelgeschichte 24 auf. Man weiß nicht genau, welche Gefangenschaft Paulus damit gemeint hat. Aber hier finden wir eine davon. Es wird berichtet, dass Paulus nach Jerusalem ging, weil ihn der Heilige Geist dazu drängte. Und während er dort war, sagte Jakobus, der Leiter der Gemeinde:
    „Hier gibt es viele jüdische Gläubige. Sie sagen, dass du nicht mehr an das Gesetz des Mose glaubst und dass du gegen den Glauben unserer Väter bist. Schau, hier sind ein paar Brüder, die ein Gelübde abgelegt haben. Lass dir die Haare scheren, gehe mit ihnen in den Tempel und weihe dich mit ihnen. Dann wissen alle, dass du nicht abgefallen bist und dass du nicht gegen die jüdische Religion bist.“ Und Paulus sagt: „Okay. Ich mache, was ihr sagt.“ Er geht und tut das alles. Aber während er im Tempel ist, gibt es einen Aufruhr. Die Leute packen ihn und reißen ihn fast in Stücke. Sie rufen durcheinander und werfen ihm alles Mögliche vor. Schließlich wird er nach Cäsarea gebracht, eine Küstenstadt etwa 80 Kilometer von Jerusalem entfernt. Der römische Oberst hatte nämlich erfahren, dass sich die Juden verschworen hatten, Paulus umzubringen. Eine Gruppe von Juden hatte einen Eid geschworen, dass sie nichts essen und trinken wollten, bis sie Paulus getötet hätten. Also wird Paulus mit einem Trupp Soldaten nach Cäsarea geschickt. Dort wird Paulus eingekerkert. Der Statthalter zu dieser Zeit hieß Felix. Die Juden kommen und bringen ihre Vorwürfe gegen Paulus vor. Kein Vorwurf kann bewiesen werden. Alle sind falsch. Und Paulus verteidigt sich selbst. Da wird Felix klar: „Dieser Mann hat überhaupt nichts falsch gemacht.“ Aber um die Juden zu besänftigen, behält er Paulus als Gefangenen dort. Lesen Sie mit mir ein paar Verse in Apostelgeschichte 24:26. Es geht um den Statthalter Felix. Da steht:

    Apostelgeschichte 24:26-27
    „Zugleich hoffte er, dass ihm von Paulus Geld gegeben werde; deshalb ließ er ihn auch öfter holen und unterhielt sich mit ihm. Als aber zwei Jahre verflossen waren, bekam Felix den Porzius Festus zum Nachfolger; und da Felix sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, hinterließ er den Paulus gefangen.“

    Paulus wurde zwei Jahre unter falscher Anklage in Cäsarea gefangen gehalten. Der Statthalter Felix wusste, dass Paulus viele Leute in Jerusalem kannte. Er wusste, dass er das Geld für eine Kaution zusammenbekommen hätte. Felix hoffte auf die Kaution, damit er Paulus freilassen kann. Und Paulus war zwei Jahre gefangen und niemand kam von den Jerusalemer Christen, um zu seinen Gunsten auszusagen. Sie sammelten keine Spenden für die Kaution, um Paulus freizukaufen. Von Jerusalem nach Cäsarea waren es nur 80 Kilometer. Eine Zweitagereise. Wo waren sie alle? Paulus sagt: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei. Alle verließen mich.“ Wir haben das vorhin nicht gelesen, aber im zweiten Timotheusbrief steht danach: „Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.“ Freunde, auch wenn alle Sie verlassen – Jesus verlässt Sie nicht. Und Er genügt. Mehr brauchen Sie nicht. Aber Paulus schrieb: „Möge Gott es ihnen nicht anrechnen. Möge es ihnen nicht vorgeworfen werden.“ Zwei Jahre! Ohne dass ihn jemand besucht hätte!

    Vielleicht sind auch Sie von anderen Christen im Stich gelassen worden. Jemand, der sich Christ nennt, hat nicht getan, was er für Sie hätte tun sollen. Jemand, der es wagt, sich Christ zu nennen, hat Ihnen etwas angetan, was er nicht hätte tun sollen. Vielleicht hat sogar eine ganze Gruppe Christen Sie enttäuscht und Ihnen Unrecht getan. Vielleicht hat Ihnen eine ganze Kirchengemeinde Unrecht getan und Sie verletzt. Ist aus Ihrer Enttäuschung Bitterkeit geworden?

    Ich habe mal mit einer Frau gesprochen. Sie steht für viele andere, mit denen ich über die Jahre geredet habe. Ich könnte von vielen Menschen erzählen, mit denen ich ganz ähnliche Gespräche geführt habe. Diese bestimmte Frau war sehr verärgert über ihre frühere Kirche. Sie erzählte lang und breit, wie furchtbar alle seien, wie sehr sie ihr und ihrem Mann Unrecht getan hatten, als es ihnen schlecht ging. Und sie war darüber sehr verbittert. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs waren sie und ihr Mann schon lange in keiner Kirche mehr gewesen. Sie gehörten zu keiner Kirche und waren weit weg davon, eine neue zu finden. Sie erzählte weiter. Ihr Mann war krank geworden und keiner besuchte ihn. Keiner kam ins Krankenhaus und keiner rief an. Aber ich wusste, dass ihre damalige Kirche recht groß war. Als ich nachfragte, sagte sie, dass sie keiner Kleingruppe oder Ähnlichem angehört hatten. Sie gingen zu keinem Hauskreis und keiner Bibelstunde und arbeiteten auch nirgends mit. Sie kamen nur zum Gottesdienst. Da die Kirchengemeinde so groß war, dachten die anderen vielleicht: „Ah, die kommen nur zu einem der Gottesdienste. Vielleicht gehen sie zu einem anderen Gottesdienst als wir. Vielleicht sitzen sie irgendwo anders.“ Und irgendwie wurden sie übersehen. Okay, das ist ein Fehler. Aber so was kommt vor. Doch diese Frau war so verärgert: „Sie haben uns enttäuscht!“ Und diesen Fehler nahm sie wie einen Farbeimer mit, wenn sie ihren Mann im Krankenhaus besuchte und malte alle Christen in dieser Farbe an. Sie war total verbittert: „Wissen Sie, Christen sind nichts als ein Pack Heuchler! Jeder, der in die Kirche geht, ist ein Heuchler.“ Aber, liebe Freunde, das ist nicht wahr.

    Ich weiß, dass unter Ihnen sicher Menschen sind, denen auf die eine oder andere Art Unrecht getan wurde. Ihre Glaubensgeschwister standen nicht für Sie ein oder was auch immer passiert ist.

    Als Paulus sagte: „Bei meiner ersten Verteidigung…“ meinte er vielleicht auch seine Zeit in Rom. Und in Rom gab es viele Christen! Überlegen Sie nur, für wie viele Menschen er sein Leben riskiert hat!
    Denken Sie an die Geschwister in Jerusalem und keiner von denen kam zu ihm! Aber Paulus ist kein bisschen verärgert deswegen. Wir hören von ihm nur Worte der Vergebung. Möge Gott es ihnen nicht anrechnen. Möge Gott es ihnen nicht vorwerfen. Ich werfe es ihnen nicht vor und ich will nicht, dass Gott es ihnen vorwirft. Schlagen Sie mit mir den 2. Korintherbrief, Kapitel 2 auf. Wir kommen später noch einmal auf die Apostelgeschichte zurück.

    2. Korinther 2:10-11
    „Wem aber ihr etwas vergebt, dem vergebe ich auch. Denn auch ich habe, wenn ich etwas zu vergeben hatte, es vergeben um euretwillen vor Christi Angesicht, damit wir nicht übervorteilt werden vom Satan; denn uns ist wohl bewusst, was er im Sinn hat.“

    Wenn wir nicht vergeben, nutzt Satan das aus. Ich für meinen Teil will nicht, dass der Teufel irgendwas in meinem Leben ausnutzen kann. Und Sie? „Aber Sie wissen nicht, was die mir angetan haben!“ Nein, das weiß ich nicht. Aber beten Sie: „Gott, rechne ihnen diese Sünde nicht zu. Ich

    vergebe ihnen. Und ich bitte Dich, Gott, dass Du ihnen vergibst und es ihnen nicht vorwirfst.“ „Aber sie waren nicht für mich da!“ Sie waren auch nicht für den Apostel Paulus da. Aber Sie wollen doch nicht, dass der Teufel einen Vorteil in Ihrem Leben hat. In der Bibel, in Epheser 4:26-27, steht in der Neues- Leben-Übersetzung: „Sündigt nicht, wenn ihr zornig seid, und lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebt dem Teufel keine Möglichkeit, durch den Zorn Macht über euch zu gewinnen!“

    Freunde, durch Unversöhnlichkeit und Bitterkeit gewinnt der Teufel mehr Macht über Ihr Leben als durch irgendetwas anderes. Als wichtigsten Grund dafür, warum Gebete nicht erhört werden, nennt Jesus Unversöhnlichkeit. Wenn meine Gebete nicht erhört werden, wäre das die erste Sache, über die ich nachdenken würde. Grolle ich jemandem? Kann ich jemandem nicht verzeihen?

    Gestern habe ich mit meinem Freund Wayne Alcorn gesprochen. Er ist Pastor in Australien. Wayne und ich sind einmal mit ein paar Freunden im Norden Australiens zelten und fischen gegangen. Der Ort hieß Weipa. Und es war wirklich mitten im Nirgendwo! Wir hatten ein kleines Boot und fuhren noch ein bisschen weiter ins Nirgendwo. Und da, wo wir unsere Zelte aufstellten, waren überall Krokodile. Wirklich überall! Es gab dort einen größeren Fluss, an dem wir eine Krabbenfalle aufstellten. Wir wollten Krabben fangen und sie abends am Feuer kochen. Aber die Falle wurde fast jede Nacht von Krokodilen ausgeraubt. Und man konnte nicht ins Wasser gehen, weil überall Krokodile waren. Wenn wir vom Ufer aus angelten, mussten wir die ganze Zeit aufpassen, dass kein Krokodil kam. Wenn wir nach den Fallen sahen, musste immer einer mitkommen und aufpassen, damit man nicht von einem Krokodil erwischt wurde. Am Ufer war ein Schild, weil dort schon jemand von einem Krokodil angegriffen worden war. Dort stand: „Beim Besteigen des Bootes nicht ins Wasser gehen!“ Sie waren überall und einige waren recht groß. Jedenfalls habe ich gestern mit Wayne geredet, und er hat gesagt: „Bayless, weißt du noch, wo wir zelten waren? Schau mal die Nachrichten. Da ist jemand von einem Krokodil angegriffen worden.“ Also hab ich nachgesehen. Der Mann hat genau an dem Ufer geangelt, wo wir waren und wurde von einem Krokodil erwischt. Ein 300-Kilo-Krokodil schnappte nach ihm und packte ihn an beiden Beinen. Und er hielt sich gerade noch an einer Mangrovenwurzel fest – es war ein ganz einfacher Typ vom Land. Das merkte man an der Art, wie er beim Interview redete.
    Ach so. Er hat übrigens überlebt. Also, er hielt sich eine halbe Stunde an dieser Mangrovenwurzel fest, während das Krokodil an seinen Beinen zerrte und versuchte, ihn ins Wasser zu ziehen. Und es hat ihn ziemlich übel zugerichtet. Nach einer halben Stunde hörte ihn jemand um Hilfe rufen und befreite ihn aus dem Maul des Krokodils und rettete sein Leben.

    Und wissen Sie was? Wenn Sie nicht verzeihen können, lassen Sie zu, dass Sie dem Teufel in die Fänge geraten. Der will Sie runterziehen und geistlich ertränken. Und einige von Ihnen halten sich gerade noch an einer Mangrovenwurzel fest. Aber Sie können sich aus den Fängen befreien, wenn Sie verzeihen. Sie müssen loslassen. Sie müssen vergeben. Das ist eines der größten Gebete der Bibel. Sicher hat es Paulus das Herz gebrochen, dass ihn die Leute verlassen hatten, die er liebte und denen er vertraute. Er hatte gedacht, dass sie ihm in der Not helfen würden, aber sie waren nicht da. Und trotzdem bat er Gott darum, ihnen zu vergeben.

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