Vergebendes Gebet

Teil 3 und 4 aus der Reihe „Hindernisse überwinden“

  1. Vergebendes Gebet – Teil 1
  2. Vergebendes Gebet – Teil 2

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Comments

  • Jule sagt:

    Vergebendes Gebet / Teil 1
    18.08.2013
    Pastor Bayless Conley

    Wir werden uns einige wichtige Gebete der Bibel anschauen. Sind Sie schon einmal verletzt worden? Ist Ihr Herz schon einmal gebrochen worden? Waren Sie schon einmal versucht, jemandem etwas nachzutragen und sich an Ihren Zorn zu klammern? Dann sollten Sie diese Predigt hören. Wir werden uns Gebete anschauen, bei denen es genau darum geht, dass jemand verletzt und falsch behandelt worden ist. Ich bin überzeugt, dass Ihnen diese Predigt zum Segen wird.

    Ich möchte heute über drei Gebete der Bibel sprechen. Eins der Gebete wurde von Jesus gebetet, eins von Stephanus und eins vom Apostel Paulus. Ich lese sie vor und Sie können zuhören.

    Das erste Gebet stammt von Jesus, während Er am Kreuz hing und findet sich in Lukas 23:34. „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun. Sie aber verteilten seine Kleider und warfen das Los darüber.“

    Das zweite Gebet steht in Apostelgeschichte 7, Vers 60. Es wurde von Stephanus gebetet, als er für seinen Glauben an Jesus Christus gesteinigt wurde. „Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.“

    Das dritte Gebet finden wir in 2. Timotheus 4:16. Da schreibt Paulus: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich; es werde ihnen nicht zugerechnet.“

    Alle drei Gebete sind sehr ähnlich. Und ich finde, es sind drei der größten Gebete der Bibel. Wir werden sie nacheinander anschauen. Wir fangen bei dem letzten an, das ich gelesen habe.

    Als Paulus das an Timotheus schreibt, ist er schon ein alter Mann. Im gleichen Kapitel schreibt er: „Ich habe mein Rennen beendet. Ich habe den guten Kampf gekämpft und meinen Glauben behalten.
    Mein Leben ist bereit, ausgegossen zu werden wie ein Trankopfer.“ Paulus wusste, dass er nicht mehr lange leben würde. Er ist alt und erzählt Timotheus, seinem Sohn im Glauben, ein paar Dinge aus seinem Leben. In Vers 16 schreibt er: „Bei meiner ersten Verteidigung, als ich zum ersten Mal in Rom war und mich verteidigen musste, da stand mir niemand bei. Alle verließen mich.“ Das bedeutet „sie haben mich allein gelassen“. „Möge es ihnen nicht zugerechnet werden.“ Damit meint er: „Möge Gott es ihnen nicht anrechnen, möge Gott es ihnen nicht als Schuld anrechnen.“ Und das war nicht nur ein freundlicher Wunsch von Paulus. Er wiederholt hier ein Gebet, das er in seinem Herzen zu Gott gebetet hatte. Als er vor der römischen Obrigkeit stand und sein Leben verteidigen musste, stand ihm niemand bei. Alle hatten ihn verlassen. Er war ganz allein. Paulus spricht hier von anderen Christen.
    Für die einen hatte er sein Leben gewagt und viel erlitten, um ihnen das Evangelium zu bringen. Und die anderen waren seine Mitarbeiter. Sie alle hatten ihn in dieser Notsituation im Stich gelassen.

    Merken Sie sich diese Stelle. Vielleicht kommen wir darauf zurück, vielleicht auch nicht. Schlagen Sie mit mir Apostelgeschichte 24 auf. Man weiß nicht genau, welche Gefangenschaft Paulus damit gemeint hat. Aber hier finden wir eine davon. Es wird berichtet, dass Paulus nach Jerusalem ging, weil ihn der Heilige Geist dazu drängte. Und während er dort war, sagte Jakobus, der Leiter der Gemeinde:
    „Hier gibt es viele jüdische Gläubige. Sie sagen, dass du nicht mehr an das Gesetz des Mose glaubst und dass du gegen den Glauben unserer Väter bist. Schau, hier sind ein paar Brüder, die ein Gelübde abgelegt haben. Lass dir die Haare scheren, gehe mit ihnen in den Tempel und weihe dich mit ihnen. Dann wissen alle, dass du nicht abgefallen bist und dass du nicht gegen die jüdische Religion bist.“ Und Paulus sagt: „Okay. Ich mache, was ihr sagt.“ Er geht und tut das alles. Aber während er im Tempel ist, gibt es einen Aufruhr. Die Leute packen ihn und reißen ihn fast in Stücke. Sie rufen durcheinander und werfen ihm alles Mögliche vor. Schließlich wird er nach Cäsarea gebracht, eine Küstenstadt etwa 80 Kilometer von Jerusalem entfernt. Der römische Oberst hatte nämlich erfahren, dass sich die Juden verschworen hatten, Paulus umzubringen. Eine Gruppe von Juden hatte einen Eid geschworen, dass sie nichts essen und trinken wollten, bis sie Paulus getötet hätten. Also wird Paulus mit einem Trupp Soldaten nach Cäsarea geschickt. Dort wird Paulus eingekerkert. Der Statthalter zu dieser Zeit hieß Felix. Die Juden kommen und bringen ihre Vorwürfe gegen Paulus vor. Kein Vorwurf kann bewiesen werden. Alle sind falsch. Und Paulus verteidigt sich selbst. Da wird Felix klar: „Dieser Mann hat überhaupt nichts falsch gemacht.“ Aber um die Juden zu besänftigen, behält er Paulus als Gefangenen dort. Lesen Sie mit mir ein paar Verse in Apostelgeschichte 24:26. Es geht um den Statthalter Felix. Da steht:

    Apostelgeschichte 24:26-27
    „Zugleich hoffte er, dass ihm von Paulus Geld gegeben werde; deshalb ließ er ihn auch öfter holen und unterhielt sich mit ihm. Als aber zwei Jahre verflossen waren, bekam Felix den Porzius Festus zum Nachfolger; und da Felix sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, hinterließ er den Paulus gefangen.“

    Paulus wurde zwei Jahre unter falscher Anklage in Cäsarea gefangen gehalten. Der Statthalter Felix wusste, dass Paulus viele Leute in Jerusalem kannte. Er wusste, dass er das Geld für eine Kaution zusammenbekommen hätte. Felix hoffte auf die Kaution, damit er Paulus freilassen kann. Und Paulus war zwei Jahre gefangen und niemand kam von den Jerusalemer Christen, um zu seinen Gunsten auszusagen. Sie sammelten keine Spenden für die Kaution, um Paulus freizukaufen. Von Jerusalem nach Cäsarea waren es nur 80 Kilometer. Eine Zweitagereise. Wo waren sie alle? Paulus sagt: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei. Alle verließen mich.“ Wir haben das vorhin nicht gelesen, aber im zweiten Timotheusbrief steht danach: „Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.“ Freunde, auch wenn alle Sie verlassen – Jesus verlässt Sie nicht. Und Er genügt. Mehr brauchen Sie nicht. Aber Paulus schrieb: „Möge Gott es ihnen nicht anrechnen. Möge es ihnen nicht vorgeworfen werden.“ Zwei Jahre! Ohne dass ihn jemand besucht hätte!

    Vielleicht sind auch Sie von anderen Christen im Stich gelassen worden. Jemand, der sich Christ nennt, hat nicht getan, was er für Sie hätte tun sollen. Jemand, der es wagt, sich Christ zu nennen, hat Ihnen etwas angetan, was er nicht hätte tun sollen. Vielleicht hat sogar eine ganze Gruppe Christen Sie enttäuscht und Ihnen Unrecht getan. Vielleicht hat Ihnen eine ganze Kirchengemeinde Unrecht getan und Sie verletzt. Ist aus Ihrer Enttäuschung Bitterkeit geworden?

    Ich habe mal mit einer Frau gesprochen. Sie steht für viele andere, mit denen ich über die Jahre geredet habe. Ich könnte von vielen Menschen erzählen, mit denen ich ganz ähnliche Gespräche geführt habe. Diese bestimmte Frau war sehr verärgert über ihre frühere Kirche. Sie erzählte lang und breit, wie furchtbar alle seien, wie sehr sie ihr und ihrem Mann Unrecht getan hatten, als es ihnen schlecht ging. Und sie war darüber sehr verbittert. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs waren sie und ihr Mann schon lange in keiner Kirche mehr gewesen. Sie gehörten zu keiner Kirche und waren weit weg davon, eine neue zu finden. Sie erzählte weiter. Ihr Mann war krank geworden und keiner besuchte ihn. Keiner kam ins Krankenhaus und keiner rief an. Aber ich wusste, dass ihre damalige Kirche recht groß war. Als ich nachfragte, sagte sie, dass sie keiner Kleingruppe oder Ähnlichem angehört hatten. Sie gingen zu keinem Hauskreis und keiner Bibelstunde und arbeiteten auch nirgends mit. Sie kamen nur zum Gottesdienst. Da die Kirchengemeinde so groß war, dachten die anderen vielleicht: „Ah, die kommen nur zu einem der Gottesdienste. Vielleicht gehen sie zu einem anderen Gottesdienst als wir. Vielleicht sitzen sie irgendwo anders.“ Und irgendwie wurden sie übersehen. Okay, das ist ein Fehler. Aber so was kommt vor. Doch diese Frau war so verärgert: „Sie haben uns enttäuscht!“ Und diesen Fehler nahm sie wie einen Farbeimer mit, wenn sie ihren Mann im Krankenhaus besuchte und malte alle Christen in dieser Farbe an. Sie war total verbittert: „Wissen Sie, Christen sind nichts als ein Pack Heuchler! Jeder, der in die Kirche geht, ist ein Heuchler.“ Aber, liebe Freunde, das ist nicht wahr.

    Ich weiß, dass unter Ihnen sicher Menschen sind, denen auf die eine oder andere Art Unrecht getan wurde. Ihre Glaubensgeschwister standen nicht für Sie ein oder was auch immer passiert ist.

    Als Paulus sagte: „Bei meiner ersten Verteidigung…“ meinte er vielleicht auch seine Zeit in Rom. Und in Rom gab es viele Christen! Überlegen Sie nur, für wie viele Menschen er sein Leben riskiert hat!
    Denken Sie an die Geschwister in Jerusalem und keiner von denen kam zu ihm! Aber Paulus ist kein bisschen verärgert deswegen. Wir hören von ihm nur Worte der Vergebung. Möge Gott es ihnen nicht anrechnen. Möge Gott es ihnen nicht vorwerfen. Ich werfe es ihnen nicht vor und ich will nicht, dass Gott es ihnen vorwirft. Schlagen Sie mit mir den 2. Korintherbrief, Kapitel 2 auf. Wir kommen später noch einmal auf die Apostelgeschichte zurück.

    2. Korinther 2:10-11
    „Wem aber ihr etwas vergebt, dem vergebe ich auch. Denn auch ich habe, wenn ich etwas zu vergeben hatte, es vergeben um euretwillen vor Christi Angesicht, damit wir nicht übervorteilt werden vom Satan; denn uns ist wohl bewusst, was er im Sinn hat.“

    Wenn wir nicht vergeben, nutzt Satan das aus. Ich für meinen Teil will nicht, dass der Teufel irgendwas in meinem Leben ausnutzen kann. Und Sie? „Aber Sie wissen nicht, was die mir angetan haben!“ Nein, das weiß ich nicht. Aber beten Sie: „Gott, rechne ihnen diese Sünde nicht zu. Ich

    vergebe ihnen. Und ich bitte Dich, Gott, dass Du ihnen vergibst und es ihnen nicht vorwirfst.“ „Aber sie waren nicht für mich da!“ Sie waren auch nicht für den Apostel Paulus da. Aber Sie wollen doch nicht, dass der Teufel einen Vorteil in Ihrem Leben hat. In der Bibel, in Epheser 4:26-27, steht in der Neues- Leben-Übersetzung: „Sündigt nicht, wenn ihr zornig seid, und lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebt dem Teufel keine Möglichkeit, durch den Zorn Macht über euch zu gewinnen!“

    Freunde, durch Unversöhnlichkeit und Bitterkeit gewinnt der Teufel mehr Macht über Ihr Leben als durch irgendetwas anderes. Als wichtigsten Grund dafür, warum Gebete nicht erhört werden, nennt Jesus Unversöhnlichkeit. Wenn meine Gebete nicht erhört werden, wäre das die erste Sache, über die ich nachdenken würde. Grolle ich jemandem? Kann ich jemandem nicht verzeihen?

    Gestern habe ich mit meinem Freund Wayne Alcorn gesprochen. Er ist Pastor in Australien. Wayne und ich sind einmal mit ein paar Freunden im Norden Australiens zelten und fischen gegangen. Der Ort hieß Weipa. Und es war wirklich mitten im Nirgendwo! Wir hatten ein kleines Boot und fuhren noch ein bisschen weiter ins Nirgendwo. Und da, wo wir unsere Zelte aufstellten, waren überall Krokodile. Wirklich überall! Es gab dort einen größeren Fluss, an dem wir eine Krabbenfalle aufstellten. Wir wollten Krabben fangen und sie abends am Feuer kochen. Aber die Falle wurde fast jede Nacht von Krokodilen ausgeraubt. Und man konnte nicht ins Wasser gehen, weil überall Krokodile waren. Wenn wir vom Ufer aus angelten, mussten wir die ganze Zeit aufpassen, dass kein Krokodil kam. Wenn wir nach den Fallen sahen, musste immer einer mitkommen und aufpassen, damit man nicht von einem Krokodil erwischt wurde. Am Ufer war ein Schild, weil dort schon jemand von einem Krokodil angegriffen worden war. Dort stand: „Beim Besteigen des Bootes nicht ins Wasser gehen!“ Sie waren überall und einige waren recht groß. Jedenfalls habe ich gestern mit Wayne geredet, und er hat gesagt: „Bayless, weißt du noch, wo wir zelten waren? Schau mal die Nachrichten. Da ist jemand von einem Krokodil angegriffen worden.“ Also hab ich nachgesehen. Der Mann hat genau an dem Ufer geangelt, wo wir waren und wurde von einem Krokodil erwischt. Ein 300-Kilo-Krokodil schnappte nach ihm und packte ihn an beiden Beinen. Und er hielt sich gerade noch an einer Mangrovenwurzel fest – es war ein ganz einfacher Typ vom Land. Das merkte man an der Art, wie er beim Interview redete.
    Ach so. Er hat übrigens überlebt. Also, er hielt sich eine halbe Stunde an dieser Mangrovenwurzel fest, während das Krokodil an seinen Beinen zerrte und versuchte, ihn ins Wasser zu ziehen. Und es hat ihn ziemlich übel zugerichtet. Nach einer halben Stunde hörte ihn jemand um Hilfe rufen und befreite ihn aus dem Maul des Krokodils und rettete sein Leben.

    Und wissen Sie was? Wenn Sie nicht verzeihen können, lassen Sie zu, dass Sie dem Teufel in die Fänge geraten. Der will Sie runterziehen und geistlich ertränken. Und einige von Ihnen halten sich gerade noch an einer Mangrovenwurzel fest. Aber Sie können sich aus den Fängen befreien, wenn Sie verzeihen. Sie müssen loslassen. Sie müssen vergeben. Das ist eines der größten Gebete der Bibel. Sicher hat es Paulus das Herz gebrochen, dass ihn die Leute verlassen hatten, die er liebte und denen er vertraute. Er hatte gedacht, dass sie ihm in der Not helfen würden, aber sie waren nicht da. Und trotzdem bat er Gott darum, ihnen zu vergeben.

    Apostelgeschichte 6:5
    „Und die Rede gefiel der ganzen Menge; und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes.“
    So viel zu Vers 5. Und jetzt weiter ab Vers 8:

    Apostelgeschichte 6:8-15
    „Stephanus aber, voller Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Es standen aber einige aus der sogenannten Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner auf und derer von Zilizien und Asien und stritten mit Stephanus. Und sie konnten der Weisheit und dem Geist nicht widerstehen, womit er redete. Da schoben sie heimlich Männer vor, die sagten: Wir haben ihn Lästerworte reden hören gegen Mose und Gott. Und sie erregten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten; und sie fielen über ihn her und rissen ihn mit sich fort und führten ihn vor den Hohen Rat. Und sie stellten falsche Zeugen auf, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, Worte zu reden gegen die heilige Stätte und das Gesetz; denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diese Stätte zerstören und die Gebräuche verändern, die uns Mose überliefert hat. Und alle, die im Hohen Rat saßen, schauten gespannt auf ihn und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.“

    Merken Sie, was die Leute da machen? Sie suchen falsche Zeugen, die sich gegen Bestechung überreden ließen, Lügen über Stephanus zu erzählen. Also wurde er zum Hohenpriester gebracht und

    durfte seine Verteidigungsrede vorbringen. Da erzählt Stephanus die gesamte Geschichte des Volkes Israel und schließt in Kapitel 7, Vers 51 mit diesen Worten:

    Apostelgeschichte 7:51-60
    „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr. Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche die Ankunft des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, die ihr das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und nicht befolgt habt. Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. Da er aber voll Heiligen Geistes war und fest zum Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen! Sie schrien aber mit lauter Stimme, hielten ihre Ohren zu und stürzten einmütig auf ihn los. Und als sie ihn aus der Stadt hinausgestoßen hatten, steinigten sie ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes mit Namen Saulus. Und sie steinigten den Stephanus, der betete und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.“

    Unglaublich. Sie hatten Lügen über ihn erzählt. Sie hatten andere bestochen, um Lügen über ihn zu verbreiten. Sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn – was auch immer das hieß! Er strahlte wie ein Engel und sprach wie ein Engel, aber sie wollten nichts davon wissen. Sie hielten ihre Ohren zu und fingen an zu schreien. Sie versuchten ihr eigenes Gewissen zu übertönen. Sie wollten die Wahrheit und den Verstand übertönen. Und sie ergriffen diesen Mann mit dem überirdischen Strahlen auf dem Gesicht. Tief im Herzen kannten sie die Wahrheit, aber sie wollten sie nicht hören. Sie wiesen alles zurück.

    Ich habe einmal etwas über einen Anwalt gelesen, der sehr erfolgreich war. Ein junger Angestellter der Kanzlei fragte ihn: „Würden Sie mir verraten, warum Sie so erfolgreich sind?“ Und er antwortete:
    „Ich habe drei Methoden. Wenn ich an einem Fall arbeite, schaue ich zuerst nach, ob ein Gesetz den Fall abdeckt. Wenn es so ein Gesetz gibt, stelle ich es vor Gericht vor. Damit gewinne ich den Fall hundertprozentig. Volltreffer. Wenn ich kein bestimmtes Gesetz finde, das meinem Klienten recht gibt, sammle ich die Fakten und stelle vor Gericht die Fakten vor. Die meisten dieser Fälle gewinne ich auch.“ Dann fragt der junge Angestellte: „Aber was machen Sie, wenn Sie kein Gesetz und keine Fakten haben?“ Er antwortet: „Das ist der dritte Weg. Ich schlage mit der Faust auf den Tisch und mache viel Lärm.“

    Sie werden feststellen, dass bei einem Streit meistens derjenige laut wird, der die schlechteren Argumente hat. Die Leute haben angefangen zu schreien und Lärm zu machen, weil sie wussten, dass Stephanus die Wahrheit sagt. Da steht, Stephanus war voll Heiligen Geistes, als er starb. Das ist interessant. Wir lesen, dass er vom Heiligen Geist erfüllt war, als er in den Dienst berufen wurde. Und als er zum Märtyrer berufen wurde, war er auch erfüllt vom Heiligen Geist.

    Der Heilige Geist hilft Ihnen, richtig zu sterben. Er hilft Ihnen, richtig zu leben und er hilft Ihnen, richtig zu sterben. In Apostelgeschichte 1 sagt Jesus zu Seinen Jüngern, sie sollen in Jerusalem bleiben, bis sie das Geschenk vom Vater erhalten haben. Er sagt zu ihnen: „Ihr müsst den Heiligen Geist empfangen.“ Er sagt: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist. Ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“

    Wie viele kennen das? Kraft zu empfangen vom Heiligen Geist, um Jesu Zeugen zu sein. Das griechische Wort für „Zeuge“ wird übrigens im Neuen Testament auch mit „Märtyrer“ übersetzt. Der Heilige Geist gibt uns also nicht nur die Kraft, als Zeugen für Christus zu leben. Der Heilige Geist gibt uns auch, wenn nötig, die Kraft zu sterben. Und ich für meinen Teil will richtig sterben, wenn es soweit ist. Gott sei Dank für den Heiligen Geist! Aber warten Sie. Überlegen Sie mal. Stephanus hatte seinen Dienst gerade erst begonnen. Wir lesen, dass er Zeichen und Wunder unter den Leuten tat. Wenn Sie das Kapitel lesen, werden Sie feststellen, dass er einer der besten Prediger des Neuen Testaments ist. Er ist voll vom Wort Gottes! Er kann wunderbar predigen. Die Gemeinde liebt ihn. Er wurde auserwählt als ein Mann, der voll Weisheit und voll des Heiligen Geistes ist. Seine Gaben sind gerade erst entdeckt worden. Und dann bringen ihn diese Lügner und Mörder einfach um. Es hätte auch anders sein können. Er war erfüllt vom Heiligen Geist, sie waren erfüllt vom Teufel. Manche hätten sicher gebetet: „Herr, vergiss nie, was sie mir angetan haben. Wirf sie in die Hölle. Lass den Rauch ihrer Qual von Ewigkeit zu Ewigkeit aufsteigen“, wie es in der Offenbarung heißt. Nicht Stephanus. Er sagt: „Gott, vergib ihnen.“ Erstaunlich, oder? „Rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ Sie haben gelogen, andere bestochen, damit sie über ihn lügen, seinen Dienst und sein Leben vorzeitig beendet und sich geweigert, die Wahrheit zu hören. Und er betet: „Gott, vergib ihnen!“ Unglaublich!

    Es ist so wichtig, dass wir lernen, Gebete der Vergebung zu beten. Wenn Sie nicht vergeben können und an der Feindseligkeit und Bitterkeit in Ihrem Herzen festhalten, schadet das nur einem – Ihnen selbst.

    Jemand hat einmal sehr treffend gesagt, dass Bitterkeit und Unversöhnlichkeit gegenüber jemandem so ist, als würde man selbst Gift schlucken und hoffen, dass der andere stirbt. Und wir können verzeihen, denn uns wurde verziehen. In der Bibel steht, dass die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist in unser Leben ausgegossen ist. Die Bibel lehrt, dass wir anderen vergeben sollen, wie Gott uns durch Jesus Christus vergeben hat. Ich war von Anfang bis Ende schuldig, aber Jesus hat meine Schuld nach Golgatha ans Kreuz gebracht. Er hat sie auf sich genommen. Ohne etwas dafür zu verlangen, hat Er mir Vergebung geschenkt. Und das hat mein Leben verändert. Wie kann ich da jemand anderem nicht vergeben? Und ich sage Ihnen, der Sie gerade zuschauen: Das heißt nicht, dass Sie nicht verletzt worden sind. Ich weiß, dass manche Verletzungen sehr wehtun. Vielleicht hat Ihnen jemand etwas angetan, was er nicht hätte tun dürfen. Vielleicht hat jemand etwas nicht für Sie getan, was er hätte tun sollen. Aber um Ihrer selbst willen sollten Sie vergeben. Vergeben Sie. Gott wird Ihnen dabei helfen. Aber zuerst müssen Sie selbst Gottes Vergebung empfangen. Wenn Sie verstehen, was Gott Ihnen schenkt, können Sie anderen viel leichter vergeben. Vielleicht haben Sie Jesus Christus noch nie Ihr Leben anvertraut. Vielleicht haben Sie die Vergebung noch nie erfahren, die Er durch Seinen Tod am Kreuz möglich gemacht hat. Dann können Sie jetzt mit mir beten.
    Sprechen Sie es einfach laut mit mir aus. Sagen Sie:

    „Gott, danke für Deinen Sohn Jesus Christus. Danke, dass Er am Kreuz für mich gestorben ist. Danke, dass Du meine Schuld wegnimmst. Danke, dass Du meine Schuld getragen hast. Ich glaube, dass Du vom Tod auferstanden bist. Ich bitte Dich jetzt, in mein Leben zu kommen. Sei Du mein Herr. Sei mein Retter.

    Jetzt fangen Sie neu an. Gott wirft Ihnen nichts mehr vor. Jetzt sollten Sie beten und denjenigen vergeben, die Ihnen Unrecht zugefügt haben. Das ist der nächste Schritt. Sie werden sehen, wie Ihr Leben von großer Freiheit erfüllt wird. Es gibt einen Gott im Himmel, der Ihren Namen kennt und sie sehr, sehr liebt. Vergessen Sie das niemals. Gott segne Sie.

  • Jule sagt:

    Vergebendes Gebet / Teil 2
    25.08.2013
    Pastor Bayless Conley

    Hallo, ich bin Bayless Conley und ich freue mich, dass Sie heute dabei sind. Wir schauen uns große Gebete der Bibel an und gerade sind wir bei Gebeten, in denen es um Vergebung geht. Beim letzten Mal haben wir ein Gebet von Paulus betrachtet, der zwei Jahre lang in Cäsarea im Gefängnis saß. Niemand besuchte ihn. Niemand kam und verteidigte ihn. Und trotzdem betete er: „Herr, möge ihnen diese Schuld nicht zugerechnet werden.“ Heute schauen wir uns weiter das Gebet an, das Stephanus betete, als er ermordet wurde. Sie steinigten ihn und brachten ihn um. Und er betete etwas ganz Ähnliches: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ Dahinter steckt ein großes Geheimnis, das auch Ihr Leben befreien kann. Ich glaube, dass Gott Ihnen etwas sagen will. Wenn Sie also eine Bibel haben, nehmen Sie sie zur Hand. Beschäftigen wir uns mit Gottes Wort.

    Das Gebet von Stephanus wurde sogar zu einer eindrücklichen Predigt. Als er zu Tode gesteinigt wurde, legten die Leute nämlich ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes, der Saulus hieß – eines jungen Mannes namens Saulus. In Apostelgeschichte 8:1 steht: „Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein.“ Aus der griechischen Formulierung lässt sich ableiten, dass er mit Freude zustimmte. Er freute sich über das blutige Spektakel. Er freute sich, dass Stephanus mit Steinen erschlagen wurde. Aber später warf ihn Jesus auf der Straße nach Damaskus mit einem Laserschwert vom Pferd und sagte zu ihm: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen!“ Ein Stachel ist ein spitzer Stock, den man verwendet, um Ochsen anzutreiben.
    Normalerweise einen jungen Ochsen, den man zusammen mit einem alten einspannt. Dieser Saulus von Tarsus wurde später zum Apostel Paulus, der mit Jesus zusammenarbeitete. Und Gott hatte ihn vorher immer wieder angestupst. Der Heilige Geist hat sich die ganze Zeit um ihn bemüht. Und ich glaube, das Erlebnis mit Stephanus war der Anfang. Saulus sah das Gesicht von Stephanus leuchten wie das eines Engels. Er hörte Stephanus sagen: „Ich sehe den Menschensohn zur Rechten Gottes.“ Er hörte ihn beten: „Herr, nimm meinen Geist auf.“ Und er sah, wie Stephanus eine andere Ebene des Gebets erreichte. Er kniete nieder und betete: „Gott, rechne ihnen diese Schuld nicht zu.“ Diese Worte müssen Saulus verfolgt haben. Sie waren der Stachel, mit dem der Heilige Geist ihn immer wieder anstupste und sein Gewissen aufrüttelte, bis Saulus von Tarsus auf der Straße nach Damaskus sein Leben dem Herrn Jesus Christus gab. Freunde, manchmal ist Vergebung die eindrücklichste Predigt, die wir in unserem Leben halten können.

    Ich habe einmal eine wahre Geschichte über ein Aufnahmeritual in eine studentische Bruderschaft gelesen. Erst betrinken sich alle. Dann nehmen sie die Neuen und stellen sie auf die Straße. Man verbindet ihnen die Augen und schließlich rast jemand im Auto mit 160 Sachen auf sie zu. Wenn das Auto näher kommt – keine Ahnung, bei welcher Entfernung – reißen sie sich irgendwann die Augenbinde runter und rennen von der Straße. Und derjenige im Auto weiß auch, dass sie wegrennen werden. Das war irgendwie ihr Aufnahmeritual. Aber einmal blieb ein Junge einfach stehen und wurde überfahren. Er war sofort tot. Doch das war nicht der Beginn der Geschichte. Sie geht eigentlich so: Da war ein Mann, der war bei der Arbeit immer schlecht gelaunt. Er fehlte viel, nahm Drogen und trank zu viel. Schließlich wurde er gefeuert. Und das war schon der dritte oder vierte Job, den er verlor.
    Irgendwann bekam er den Job zurück. Aber als er zurückkam, war er ein anderer Mensch. Er war nicht mehr schlecht gelaunt. Er trank nicht mehr. Er nahm keine Drogen mehr. Es war so, als hätte ihn eine dunkle Wolke umgeben – und die war plötzlich weg. Ein Arbeitskollege sagte zu ihm: „Ich war früher schon da. Ich hab dich gekannt. Du hattest es verdient, gefeuert zu werden. Aber jetzt bist du anders. Was ist passiert?“ Und dann erzählte der Mann die Geschichte. Er sagte: „Ich war in einer studentischen Bruderschaft und das war unser Aufnahmeritual. Ich war mit Fahren dran. Ich hab den Jungen überfahren und das Letzte, das ich von ihm gesehen habe, war sein entsetztes Gesicht. Das hat mein Leben zerstört. Ich habe das College abgebrochen. Ich habe angefangen Drogen zu nehmen und zu trinken. Und es hat mich die ganze Zeit verfolgt. Ich hatte jede Nacht Albträume deswegen.
    Aber vor kurzem klopfte es an meiner Tür. Es war eine Frau. Ich kannte sie nicht. Sie stellte sich als die Mutter des Jungen vor, den ich überfahren hatte. Ich ließ sie rein. Und dann sagte sie: Viele Jahre lang wünschte ich, Sie wären tot. Ich habe Sie gehasst. Aber kürzlich bin ich Christ geworden. Gott hat meine ganze Schuld vergeben, obwohl ich es nicht verdient habe. Er hat mir gezeigt, dass ich Ihnen vergeben muss. Ich habe Ihnen verziehen und ich habe Gott gebeten, dass er Ihnen verzeiht. Dann habe ich Sie gesucht und bin hergekommen, um Ihnen zu sagen, dass ich Ihnen vergeben habe.“ Und ich werde nie vergessen, was der Mann zu seinem Arbeitskollegen sagte. Er sagte: „Als ich der Frau in die Augen schaute, sah ich, dass sie es ernst meinte. Ich sah in ihren Augen die Erlaubnis, der Mann zu sein, der ich gewesen wäre, wenn ich nicht ihren Sohn totgefahren hätte.“

    Wissen Sie, Vergebung befreit Menschen. Ich glaube, Saulus von Tarsus sah an diesem Tag etwas an Stephanus, das ihn nach und nach zum Glauben brachte. Was für ein wunderbares Gebet!

    Und jetzt kommen wir zum dritten und letzten Gebet. Dieses Gebet war das Vorbild für die anderen beiden. Schlagen Sie mit mir Lukas, Kapitel 23 auf. Ohne dieses Gebet hätte es auch die anderen beiden nie gegeben. In Lukas 23 geht es um Jesus. Judas hatte Ihn verraten. Er wurde gefangen genommen und man hatte Ihn vor ein Pseudogericht gestellt. Er wurde geschlagen und verspottet, ausgepeitscht und schließlich gekreuzigt. Schlagen Sie mit mir Lukas 23 auf. Wir lesen Lukas 23, ab Vers 33.

    Lukas 23:33-34
    „Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte genannt wird, kreuzigten sie Ihn dort und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun. Sie aber verteilten seine Kleider und warfen das Los darüber.“

    Ich möchte, dass Sie kurz über etwas nachdenken. Jesus sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Haben Sie schon einmal überlegt, ob derjenige, der Ihnen Unrecht getan hat, sich gar nicht bewusst war, dass das falsch sein könnte? Jemand hat Ihnen viel Leid zugefügt. Jemand hat Sie tief verletzt. Aber ist es möglich, dass derjenige gar nicht gewusst hat, was er da tut? Das bedeutet nicht, dass es weniger wehtut. Wenn ich jemanden aus Versehen mit dem Auto anfahre, wird er genauso verletzt, wie wenn ich es absichtlich tue. Aber ist es möglich, dass manche, die uns Unrecht getan und uns Schaden zugefügt haben, nicht wussten, was sie da tun? Dass sie vielleicht sogar gedacht haben, dass sie völlig im Recht sind?

    Früher, in den ersten Jahren unserer Kirche hier, gab es einen leitenden Mitarbeiter, der mir das Leben echt schwer machte. Das war vor über zwanzig Jahren, vielleicht vor 23, 24 Jahren. Ich war noch nicht lange im Dienst und hatte viel weniger Erfahrung als heute. Heute könnte ich viel besser damit umgehen als damals. Dieser Mann vergiftete auch andere mit schlechtem Gerede über mich. Immer wieder kamen Leute zu mir und sagten: „Soundso hat mir das gesagt, Soundso hat jenes gesagt“ und jemand sagte: „Ich konnte dich nicht einmal anschauen, weil Soundso gesagt hat, du hättest dies und jenes gemacht.“ Das ging so weit, dass es mich körperlich krank machte. Ich spürte den Druck physisch. Ich schleppte es mit mir herum und ich hatte das Gefühl, ich hätte einen Knoten im Magen. Kennen Sie das auch? Genau. Sicher kennen das einige. Obwohl man es nicht will, ist es das Letzte, an das man vorm Einschlafen denkt. Es ist das Erste, an das man beim Aufwachen denkt. Der Magen fühlt sich an, als wäre er ein einziger Knoten. Es macht einen selbst kaputt und die Beziehungen zu anderen auch. Es war wirklich schlimm. Und ich hatte keine Ahnung, wieso. Eines Tages war ich in meinem Büro und betete und plötzlich war Gott da. Gott war wirklich da. Ich spürte Seine Gegenwart und ich weinte und weinte, einfach weil Gott da war. Und dann hatte ich eine Vision. In der Vision sah ich diesen Bruder, der mir so viel Leid zugefügt hatte. Gott zeigte mir, dass sein Handeln von seinem Standpunkt, von seinem Denken her durchaus richtig schien. Er war überzeugt, er wäre im Recht! Das war er nicht, aber Gott zeigte mir, dass er in seiner verqueren Denkweise annehmen musste, im Recht zu sein. Auf die Idee wäre ich niemals gekommen. Ich dachte, es wäre reine Boshaftigkeit und ich hatte keine Ahnung, was der Grund dafür war. Es war so: Als dieser Bruder neu in unsere Kirche kam, erzählte er uns von den ganzen anderen Kirchen, in denen er gewesen war und wie schlecht und böse deren Pastoren gewesen waren. Einer muss schlimmer gewesen sein als der andere. Und ich war für ihn einfach der nächste schlechte Pastor in dieser Reihe. Er schleppte so viel mit sich herum, was er nie aufgearbeitet hatte. Aber wenn man solche Sachen nicht verarbeitet, nimmt man sie mit in die nächste Beziehung. Man nimmt sie mit in die nächste Kirche. Man nimmt sie mit auf die nächste Arbeitsstelle. Und man projiziert dies alles auf andere. Aber dann sind Sie das Problem, nicht der andere! Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er denken könnte im Recht zu sein. Das veränderte alles für mich. Ich weinte und weinte und spürte, wie sehr Jesus ihn liebte. Das änderte alles. Ich hätte nie gedacht, dass er nicht wusste, was er tat. Vielleicht kennen Sie auch Menschen, auf die das zutrifft. Paulus sagt von sich selbst im 1. Timotheusbrief, Kapitel 1:13: „Mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben.“ Als er die Wahrheit erkannte, tat es ihm leid.

    Gehen wir zurück zum Lukasevangelium. Der Himmel wird schwarz, der Vorhang im Tempel zerreißt und Jesus ruft: „Es ist vollbracht!“ Das griechische Wort bedeutet: „Die Schuld ist bezahlt.“ Die Schuld der Menschheit ist bezahlt. Es passieren also diese ganzen übernatürlichen Dinge. Stellen Sie sich vor, Sie wären dabei. Da stehen die Soldaten. Dort die Leute, die Jesus verspottet haben. Hier stehen die Schaulustigen, die, die der Kreuzigung einfach zugeschaut haben. Sie haben ihn verspottet. Sie haben verächtlich geredet. Sie haben sich über Ihn lustig gemacht. Und plötzlich, als Er Seinen Geist aufgibt und sagt: „Es ist vollbracht“, wird der Himmel ganz schwarz und es gibt ein Erdbeben. Plötzlich

    geschehen übernatürliche Dinge. Und dann steht da in

    Lukas 23:47-48
    „Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.“

    Durch das, was da geschah, wurde ihr Gewissen plötzlich aufgerüttelt. Sie wurden sich bewusst, dass sie gerade einen unschuldigen Mann gekreuzigt hatten. Sie schlugen sich an die Brust wie der Zöllner im Tempel in Lukas 18. Da betet der Pharisäer: „Ich gebe den Zehnten und ich mache alles richtig und ich halte die Gesetze. Danke, Gott, dass ich nicht wie die anderen bin, wie zum Beispiel dieser Zöllner da drüben!“ In der Bibel steht, dass er das für sich betete. Er betete nicht zu Gott. Gott hörte nicht zu. Er betete nur für sich selbst. Manche machen das. Sie beten, aber es geht nur um sie selbst. Und dann ist da der Zöllner. Jesus sagt, er wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben. Er schlug sich an die Brust und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Bei der Kreuzigung sahen die Leute, was alles geschah. Ihr Gewissen wurde aufgerüttelt. Ihnen wurde klar, dass sie falsch gehandelt hatten.
    Sie schlugen sich an die Brust und kehrten um. Sie gingen nach Hause, zurück in ihr altes Leben. Sie ließen nicht zu, dass die Wahrheit sie veränderte.

    Ich frage mich, wie vielen Menschen das so geht. Sie kommen zum Gottesdienst, sie hören die Predigt und denken: „Wow! Es hat mich berührt! Ich denke über die Ewigkeit nach. Ich denke über Dinge nach, die mir sonst gleichgültig sind.“ Aber dann gehen sie nach Hause und lassen nicht zu, dass die Wahrheit ihr Leben verändert. Aber ich sage Ihnen, Jesus ist gestorben. Und Er betete dieses wunderbare Gebet: „Vater, vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Als Er starb, starb Er für unsere Sünden. Der Vorhang, der im Tempel zerriss, hing vor dem Allerheiligsten. Es gab im Tempel den heiligen Bereich und dann das Allerheiligste. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade. Zur Zeit des Alten Testaments war Gott hier anwesend. Und davor hing ein 20 Meter hoher Vorhang, der mehrere Zentimeter dick war. Und er wurde nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten zerrissen. Das zeigt, dass unsichtbare Hände ihn zerrissen haben müssen. Denn in dieses Allerheiligste durfte nur der Hohepriester gehen und zwar nur einmal im Jahr. Wenn er hineinging, musste er das Blut von einem Tieropfer mitnehmen. Er besprengte alles mit dem Blut und das sorgte dafür, dass die Sünden des Volkes getilgt wurden, die sie in dem Jahr begangen hatten. Der Hohepriester ging nur einmal im Jahr dort hinein. Und er war der Einzige, der überhaupt hinein durfte. Kein anderer durfte in die Gegenwart Gottes kommen. Gottes Gegenwart war durch einen großen Vorhang von allen getrennt. Aber als Jesus starb, sagte Gott: „Genug damit!“ Er zerriss den Vorhang und zeigte damit, dass die Gegenwart Gottes aus dem Allerheiligsten herauskommt und für jeden zugänglich ist. Freunde, im Neuen Bund sind wir der Tempel des lebendigen Gottes. Gott sagt, Er will unter uns wohnen und wandeln. Er zieht bei uns ein. Zumindest dann, wenn Sie sich an die Brust schlagen und nicht zurückgehen. Wenn Sie sich an die Brust schlagen und sagen: „Ich gehe vorwärts. Gott, Du hast mein Gewissen aufgerüttelt. Ich erkenne, dass das hier wahr ist und ich werde etwas ändern.“ Wenn Sie Ihre Sünden bereuen und Jesus ihr Leben anvertrauen, dann zieht der Geist Gottes bei Ihnen ein und verändert Sie. Seien Sie nicht einer von denen, die berührt werden, die vielleicht sogar im Gottesdienst weinen, aber dann wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Seien Sie keiner von denen, die sich nicht verändern lassen! Lassen Sie das nicht zu!

    Schließen Sie kurz Ihre Augen und senken Sie Ihren Kopf. Ich möchte ein Gebet sprechen. Es ist ein sehr radikales Gebet, ein Gebet, in dem Sie Ihr Leben ganz und gar Gott anvertrauen und Jesus als Herrn anerkennen. „Herr“ bedeutet „Chef“. Es bedeutet, dass Sie Ihr ganzes Leben Seiner Autorität unterstellen. Es ist ein radikales Gebet. Es ist ein Bekenntnis, dass Ihr Leben nicht mehr Ihnen gehört, sondern dass Sie alles, was Sie haben und sind, in Gottes Hände legen. Ich möchte Ihnen eines sagen: Der Sohn Gottes starb am Kreuz auf Golgatha für die Sünden der Welt. Er starb für Ihre Schuld. Er rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, weil Gott, der Vater Ihm die Strafe für Ihre Schuld auferlegt hat. Er trat bereitwillig an Ihre Stelle und Er wurde an Ihrer Stelle bestraft. Als Er rief: „Es ist vollbracht!“, war die Schuld bezahlt. Die Schuld der Menschheit war getilgt. Am dritten Tag wurde Er von den Toten auferweckt. Gottes ewiger Gerechtigkeit war Genüge getan und nun ist eine Beziehung zu Gott möglich. Gottes Gegenwart kann kommen und in Ihnen wohnen. Vielleicht sind Sie ein verlorener Sohn oder eine verlorene Tochter. Sie hatten Jesus einmal lieb, aber jetzt ist Ihr Leben weit davon entfernt, Gott zu gefallen. Sie wissen es. Gott weiß es. Und der Teufel weiß es auch. Es wird Zeit, dem Teufel die Tür vor der Nase zuzuschlagen und Gott in Ihrem Leben wohnen zu lassen. Verlorener Sohn, kommen Sie heim. Verlorene Tochter, kommen Sie heim. Ich habe eine gute Nachricht für Sie: Gott ist Ihnen nicht böse. Er liebt Sie. Er streckt Seine Arme nach Ihnen aus. Sie müssen nur zu Ihm kommen. Dieses Gebet ist auch für Sie. Legen Sie die Hand auf Ihr

    Herz und beten Sie mit mir. Sagen Sie:

    Gott, ich lege Dir alles hin. Ich gebe Dir alles, was ich bin. Ich gebe Dir mein Leben. Ich gebe Dir meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Ich glaube, dass Jesus Dein Sohn ist, dass Er am Kreuz für meine Schuld gestorben ist und dass Er am dritten Tag auferstanden ist. Jesus, sei Du mein Herr. Ich will gehen, wohin Du mich führst. Von heute an wird alles anders. Danke, Herr.

    Allen, die gerade mitgebetet haben, darf ich sagen: Gott ist gnädig. Er hat uns allen ziemlich hässliche Dinge vergeben. Ich finde es traurig, wenn Menschen ihre eigene Rettung so sehr vergessen, dass sie anfangen, mit dem spitzen Zeigefinger auf andere zu zeigen und sie zu verdammen, weil sie von einem Bett ins andere hüpfen oder Drogen nehmen oder lügen oder was weiß ich. Und dabei haben sie früher das Gleiche gemacht. Gott hat uns gereinigt. Er hat uns vergeben und uns neues Leben geschenkt. Wie wunderbar! Und weil Er uns so viel vergeben hat, sollten wir auch anderen vergeben.

    Vielleicht geht es Ihnen heute wie Paulus. Einige Christen haben Sie verletzt. Vielleicht hat Ihnen eine ganze Gruppe von Christen Unrecht getan. Oder vielleicht tauchen Sie auch Ihren Pinsel in den Fehler von einem Menschen und streichen alle Leute in der Kirche damit an. Sie müssen vergeben. Vielleicht hat man nicht das für Sie getan, was man hätte tun sollen. Vielleicht hat man Ihnen etwas angetan, was man nicht hätte tun sollen. Verzeihen Sie. Vielleicht war es wie bei Stephanus. Vielleicht ging es nicht bis zum Mord, aber vielleicht hat jemand andere beschwatzt, damit sie Lügen über Sie verbreiten. Und Sie hatten dadurch Kummer und Not. Vergeben Sie. Und ich wette, dass einige von Ihnen von Menschen verletzt worden sind, die nicht halb so bösartig sind wie Sie meinen. Von ihrem Standpunkt aus, aus ihrem Denken heraus haben diese Menschen wenigstens teilweise richtig gehandelt. Beten Sie dafür. Lassen Sie sie los. Bitten Sie Gott, diesen Menschen die Schuld nicht anzurechnen. Klären Sie es mit Gott. Lassen Sie los. Verzeihen Sie ihnen im Namen von Jesus Christus.

    Herr, wir loben Dich. Herr, wir vergeben denen, die an uns schuldig geworden sind. Denn Du hast uns unsere Schuld vergeben, unsere Sünde, unser Versagen, unseren Ungehorsam. Das Blut Deines Sohnes hat uns rein gewaschen. Herr, wir bitten Dich, dass Du denen vergibst, die uns verletzt haben. Rechne ihnen die Schuld nicht an. Wir geben sie in Jesu Namen frei. Amen.

    Noch ein Letztes. Noch ein Gedanke, den ich Ihnen heute mitgeben will. Wenn Sie jemandem vergeben haben, dann bedeutet das nicht, dass Sie nichts mehr empfinden, was die Verletzung betrifft. Ich weiß, dass man jemandem bewusst vergeben kann. Und wenn man ihn wiedersieht, denkt man: „Ich dachte, ich hätte ihm vergeben!“, aber die Gefühle und der Schmerz kommen wieder hoch. Und dann sagt der Teufel: „Du hast gar nicht vergeben.“ Aber Vergeben ist eine Frage des Willens. Es ist eine Entscheidung. Corrie ten Boom hat dazu etwas erzählt. Sie war in deutschen Konzentrationslagern gewesen. Und sie tat ihr Bestes, um denen zu verzeihen, die ihr und den anderen Frauen so viel angetan hatten. Sie ging zu ihrem Pastor und sagte: „Herr Pastor, ich dachte, ich hätte ihnen vergeben, aber dann kamen die ganzen Gefühle wieder hoch.“ Er sagte: „Corrie, komm mit.“ Er nahm sie mit in den Glockenturm und ließ sie am Seil ziehen. Der Klöppel der Glocke schwenkte von einer Seite auf die andere und ließ die Glocke klingen. Der Pastor sagte: „Corrie, wenn wir vergeben, lassen wir das Seil los. Die Glocke wird noch eine Weile läuten. Auch nachdem du vergeben hast, hörst du noch den Lärm in deinem Herzen. Aber wenn du nicht nach dem Seil greifst und daran ziehst, wird die Glocke immer leiser.“

    Ich bin von einigen Menschen sehr verletzt worden. Die Glocke läutete ziemlich lange in meinem Herzen. Aber ich wollte auf keinen Fall am Seil ziehen. Am Seil ziehen bedeutet, dass wir uns immer wieder daran erinnern und anderen Leuten erzählen, was Soundso gemacht hat. Wir holen immer wieder hervor, was man uns angetan hat. Jedes Mal, wenn Sie das machen, ziehen Sie wieder am Seil und geben der Glocke einen Schubs. Aber Sie können auch aufhören, am Seil zu ziehen. Sie können aufhören, über das Vorgefallene zu reden. Bei Einigen von Ihnen dauert es Stunden, bei Einigen Tage, bei Einigen vielleicht Monate. Aber irgendwann werden die Gefühle nicht wieder hochkommen, sobald sie an diese Person denken. Und zwar, weil Sie die Entscheidung getroffen haben, die Person freizugeben und ihr zu verzeihen. Dass gewisse Gefühle wieder in Ihnen hochsteigen, bedeutet also nicht, dass Sie jemandem nicht vergeben haben, okay? Das wollte ich Ihnen noch sagen.

    Wenn Sie vergeben, läutet die Glocke in Ihrem Inneren vielleicht noch etwas weiter. Aber wenn Sie nicht wieder am Seil ziehen, hört sie irgendwann auf. Wissen Sie was? Sie und ich sind vielleicht gerade auf unterschiedlichen Kontinenten. Aber der Heilige Geist ist auch bei Ihnen. Ich bete im Namen von Jesus, dass der Geist Gottes Sie besucht, Sie befreit und in Ihrem Leben wirkt. Im

    mächtigen Namen von Jesus Christus. Bis zum nächsten Mal.

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